Ein Film über die Konflikte im Hambacher Wald

Der Dokumentarfilm legt die unterschiedlichen Strategien der beteiligten Gruppen offen. Damit setzt er sich nicht nur für die Erhaltung der Natur ein, sondern auch für den Schutz unserer Demokratie und unserer Bürgerrechte.

PREMIERE
21. November 2019, 20:15
Apollo Kino Aachen, Pontstr. 141 – 149

In unser aller Namen

… tun Polizistinnen und Polizisten ihre Pflicht.
So sieht es NRW Innenminister Herbert Reul.

Reul wählt diese Worte im Zusammenhang mit der Räumung des Hambacher Waldes. Aber offensichtlich sehen das nicht alle so.
Es formiert sich ein immer breiterer Widerstand. Zu den anfänglich etwa 50 Waldbesetzern stoßen zunehmend mehr Unterstützer, so dass schließlich 50.000 im Wald demonstrieren. Kann es ihnen gelingen die übermächtigen Gegner aus Industrie und Politik zu besiegen?

In unser aller Namen

Die Worte fallen in einer aktuellen Stunde des Landtags NRW. Innenminister Reul spricht damit die Einsätze der Polizei im Hambacher Wald an. Eigentlich sollte der Landtag sich mit einem Antrag der Grünen „Abholzung des Hambacher Waldes verhindern“  befassen. Doch am Tag zuvor erhielt ein Kontaktbeamter einen Faustschlag ins Gesicht. Die Folge: fast alle Politiker bezeichneten die Aktiven im Wald als eingeflogene Krawalltouristen (Reul) oder gar Terroristen.
Sind also Waldschützer gewaltbereite Extremisten? Wie erleben sie diese Situation? Wer sind sie, wer sind „die Aktivisten“? Welche Gruppen sind am Konflikt beteiligt und was sind ihre jeweiligen Strategien? Was ist wann legitim?

Der Dokumentarfilm geht diesen Fragen nach, zeigt die unterschiedlichen Akteure im Konflikt um Klimaschutz, Braunkohle und den Hambacher Wald. Es ist ein Kampf mit den unterschiedlichsten Mitteln, die jeweils für das angestrebte Ziel eingesetzt werden. Gerichtsprozesse und Barrikadenbau, immer größer werdende Demonstrationen und ziviler Ungehorsam. Fakenews und Behinderung der Medien, hochgerüstete Polizisten, die teilweise extrem hart durchgreifen, auf der anderen Seite.

Der Glaube an die Demokratie wird immer wieder erschüttert. Andererseits lassen Gerichtsurteile Hoffnung aufkeimen. Doch eine breite gesellschaftliche Diskussion wird auch immer wieder durch Polarisierung verhindert. Der Kampf ist nicht entschieden.

Trailer

Statement von Filmemacher Tom Meffert

2016 war ich zum ersten Mal bei einem Waldspaziergang im Hambacher Wald dabei. Der Kontrast zwischen dem Leben, das ich im Wald beobachten konnte, und den Nachrichten, die man in der Presse fand, war überwältigend. Ich war mit meiner Kamera unterwegs, ebenso ein paar Wochen später bei der „Roten Linie“. Aus den Aufnahmen schnitt ich einen Videoclip – Rote Linie Hambach. Einer der Waldschützer, den ich seit seinen Kindertagen kenne, meinte zu mir: “ Da kannst du doch mehr draus machen!“

Ich habe mich schon früher filmisch mit der Lage des Bergbaus beschäftigt. Damals ging es um die Steinkohle und die Schließung der Zechen im Aachener Revier. Deshalb interessierte es mich jetzt „beide“ Seiten zu hören. Beim Materialsammeln wurde bald deutlich, dass es mehr als zwei Seiten in diesem Konflikt gibt und vielfach veraltete Argumente benutzt werden, die längst durch die technische Entwicklung überholt sind. Durch die ständige Wiederholung dieser Argumente wurden Fronten geschaffen, die sich immer unversöhnlicher gegenüber standen. Ich wollte durch das Erforschen dieser Argumente der Frontenbildung entgegen wirken.

Doch dann kam die Rodungssaison 2017/2018 mit Gerichtsurteilen, Rodungen, Rodungsstopps und einer massiven Aufrüstung von Polizei und Politik. Die Situation entwickelte sich zu einem Kampf zwischen David und Goliath. Die Frage der Gewalt wurde immer wieder aufgebauscht und Schuldzuweisungen in den Medien lanciert. Bei genauerem Hinsehen waren es aber nicht nur Schuldzuweisungen, sondern in vielen Fällen „fake news“, die dazu dienten, den eh schon schwächeren Gegner zu diskreditieren. Waldführer Michael Zobel drückt es so aus: „Es geht nicht mehr nur um den Wald, sondern auch um unsere Demokratie und unsere Bürgerrechte“.

Dann begann David zu wachsen. Im August kamen gerade einmal 300 Menschen zu einer Demonstration, Mitte September waren es schon 15.000 und Anfang Oktober 50.000, die den vorläufigen Rodungsstopp feierten. Leider hat die weitere Entwicklung gezeigt, dass dennoch nichts entschieden ist. Weitere Bäume wurden und werden gefällt, Räumungsaktionen bringen immer wieder Unruhe in den Wald. Von daher entschied ich mich, als erstes zu untersuchen, in wessen Namen eigentlich was geschieht.

Für tatkräftige Unterstützung danken wir

Annette Schmidt
Manfred Leuchter
Manuel Carrasco Molina

Marilyn Janssen
Todde Kemmerich
Interpool TV

Videoclip „Rote Linie Hambach“, 2016

Geschichten, die der Film erzählt

Kontakt

Tom Meffert
Dagmar Diebels
Eilendorfer Str.  109
52078 Aachen
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